Schwäbischer Tüftler und ein erfolgreicher Unternehmer

23.10.2013 - Schwarzwälder-Bote

Von 1974 bis 1979 hatte Wilhelm Lupold gemeinsam mit seinem Vater die Geschäftsführung der Andreas Lupold Hydrotechnik GmbH inne. Nach dem völlig unerwarteten Tod seines Vaters, Firmengründer Andreas Lupold, mußte Wilhelm Lupold plötzlich die alleinige Verantwortung für das Unternehmen mit 65 Mitarbeitern tragen.

Sehr früh hatte er die Zeichen der Zeit erkannt und wegweisende Entscheidungen in Bezug auf technische Neuerungen getroffen: Kaum waren computergesteuerte Maschinen auf dem Markt, standen solche CNC-Maschinen in der Lupold-Halle; bereits 1989 wurde ein Teileverwaltungs- und Produktionssteuerungssystem installiert; 1991 wurde das Konstruieren am Zeichenbrett durch CAD ersetzt. Zahlreiche Produkt-Innovationen Lupolds mündeten in Patenten. Die Vielfachspannung (bis zu 40-fach) auf Wendebalken verschaffte dem Unternehmen deutliche Wettbewerbsvorteile.

In Kunden- und Lieferantenkreisen war Wilhelm Lupold aufgrund seiner Fach- und Sachkompetenz hochgeschätzt. Als schwäbischer Tüftler suchte er immer nach bestmöglichen Lösungen sowohl für die Produkte seiner Kunden als auch für die Lupold-Eigenprodukte.

Seinen Mitarbeitern brachte er stets Respekt und Wertschätzung entgegen, förderte Aus- und Weiterbildung, kämpfte auch in schwierigen Zeiten um den Erhalt der Arbeitsplätze. Zahlreiche Mitarbeiter honorierten Wilhelm Lupolds soziales Verhalten mit großer Treue zum Familienunternehmen. Sechs Mitarbeiter konnte Wilhelm Lupold in den letzten Jahren für 50-jährige Betriebszugehörigkeit auszeichnen.

Im Jahr 2003, die Mitarbeiterzahl war zwischenzeitlich auf 100 angewachsen, trat seine Tochter Wilma in die Firma ein. 2005 berief Lupold die junge Diplom-Ingenieurin zur Mit-Geschäftsführerin. Sehr harmonisch und kooperativ verliefen die Jahre der gemeinsamen Betriebsführung, bevor Wilma Lupold im Jahr 2008 die volle Verantwortung als alleinige Geschäftsführerin übernahm. Wilhelm Lupold fungierte fortan als Aufsichtsrat und zog sich stufenweise aus dem operativen Geschäft zurück.

Am vergangenen Wochenende hatte Wilhelm Lupold nun enge Geschäftspartner, die Lupold-Belegschaft sowie die Betriebssenioren zum Abschiedsfest geladen. Auch Landrat Dr. Michel und Vöhringens Bürgermeister Hammer gratulierten dem langjährigen Firmenchef zu seinem äußerst erfolgreichen beruflichen Werdegang. Dr. Michel sprach Wilhelm Lupold seinen Respekt für dessen Lebensleistung aus: „Sie sind ein hervorragendes Beispiel, weshalb es uns und unserem Land gut geht; als Landrat bin ich froh, dass es solche Unternehmer, Unternehmerfamilien und Belegschaften gibt, bei denen nicht nur Produktion und Bilanz sondern auch Werte und Menschlichkeit zählen“.

Bürgermeister Hammer zeichnete in seiner Ansprache den Werdegang Wilhelm Lupolds auf. „Ihre hohe Fach- und Sachkompetenz, Ihr Detailwissen, Ihre perfektionistische Liebe zum Detail und Ihre Gabe, auch echt schwäbisch zu tüfteln, verliehen Ihnen eine ganz natürliche Aura aber auch eine ganz natürliche Autorität“, so Hammer. „Ihnen ist es gelungen, über einen bemerkenswert langen Zeitraum gute und vor allem sichere Arbeitsplätze zu schaffen“. Bei dieser Gelegenheit wurde Wilhelm Lupold von der Gemeinde Vöhringen mit der Bürgermedaille ausgezeichnet (wir berichteten).

Wilma Lupold sprach ihrem Vater allergrößte Hochachtung aus, dankte ihm für hervorragende Unterstützung, konstruktive Kritik und das große Vertrauen, das er in sie gesetzt hat. Sie wolle zusammen mit dem Lupold-Team alles daran setzen, die Unternehmenszukunft zu sichern und den Betrieb konsequent weiter auszubauen.

Jörg Killinger und Friedemann Nordt von Lupolds größtem Kunden Bosch Rexroth berichteten, wie hoch der Sachverstand Wilhelm Lupolds in Fachkreisen geschätzt werde. Sie hatten ein sehr originelles Abschiedsgeschenk mitgebracht: Ein Schachspiel mit lauter Figuren, die aus Einzelteilen von Bosch- bzw. Lupold-Ventilen hergestellt worden waren.

Die Belegschaft der Andreas Lupold Hydrotechnik GmbH verabschiedete mit mehreren Darbietungen ihren Chef auf das Herzlichste. So hatte sich zu diesem Anlass wieder einmal der Lupold-Chor formiert, der mit umgedichteten Liedtexten den Erfolgsweg Lupolds besang. Die „Drei von der (T)Dankstelle“ brachten in Worten und Geschenken zum Ausdruck, was sie an ihrem Chef so sehr geschätzt hatten. Besonders fleissig waren in den letzten Wochen die Lupold-Lehrlinge gewesen, die für den Senior-Chef zwei aufwändige Exponate aus verschiedensten Metallen gefertigt hatten.

Die aktiven Musiker aus der Lupold-Belegschaft hatten sich zusammen getan und mit Unterstützung des Vöhringer Dirigenten Michael Blocher und einigen betriebsfremden Musikern drei Musikstücke einstudiert. Nicht nur Musik-Liebhaber Wilhelm Lupold genoss den Auftritt der Lupold-Kapelle, der ganze Saal klatschte und die Stimmung kochte über, als Wilhelm Lupold selbst zum Taktstock griff!

Das Tüpfelchen auf die grandiose Abschiedsfeier setzte zum Schluß der Lupold-Mitarbeiter Volker Vosseler. Als passionierter Sammler alter Gegenstände hatte er zufällig bei einer Haushaltsauflösung eines der ersten Lupold-Produkte gefunden: Einen Lenkschlitten für Kinder. Dieser Schlitten dürfte aus dem Jahr 1950 stammen, trägt die Initialen „A.L.“ und Wilhelm Lupold konnte ihn als Geschenk - frisch aufgearbeitet - in Empfang nehmen.

 

 

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